Twitter stellt „Fleets“ nach halbem Jahr wieder ein

Circa ein halbes Jahr nach Start stellt die Social Media-Plattform Twitter ihre eigene Storys-Funktion namens „Fleets“ (aus dem englischen: „Fleeing“ und „Tweets“, also „flüchtende Tweets“) wieder ein. Als Begründung werden mangelnde Interaktionen und nicht eingetretene Änderungen im User-Verhalten angegeben. Doch wieso funktioniert die durch Snapchat eingeführte und bei Instagram sehr erfolgreiche Funktion der sich selbst nach 24 Stunden löschenden Posts nicht auf Twitter?

Was ist Twitter überhaupt genau?

Um nachvollziehen zu können, warum die bewiesenermaßen erfolgreiche Funktion nicht auf Twitter funktioniert, sollte man sich anschauen, wofür Twitter überhaupt gedacht ist und welche Funktionen der Kurznachrichtendienst bietet. Auf der Plattform können User über ihre Accounts sogenannte „Tweets“ hochladen, in denen sie in mittlerweile 280 Zeichen einen Text abschicken können, der dann von allen anderen Usern gelesen und abgerufen werden kann. Durch Likes, Retweets und Antworten erhält man Resonanz auf die Beiträge und kann so weiter mit seinen „Followern“ oder zufälligen Usern, die auf den Tweet gestoßen sind, interagieren. Die drei genannten Begriffe der Interaktionsmöglichkeit lassen sich knapp wie folgt beschreiben:

Likes: Per Klick auf ein Herz unter dem Tweet kann man einen Like verteilen. Ähnlich wie auf nahezu allen anderen geläufigen Social Media-Plattformen auch, wird die Anzahl der gesammelten „Gefällt mir“-Angaben angezeigt.

Antworten: Hierbei handelt es sich um simple Antworten auf den Tweet. Diese erscheinen dann für alle User sichtbar unterhalb des ursprünglichen Tweets und können, je nachdem wie oft auf diese geantwortet wird, lange Konversationen spinnen. Antwortet der Urheber selbst auf einen seiner Tweets und führt den Inhalt weiter fort nennt, sich diese Reihe von Tweets „Thread“. Grund für diese „Threads“ ist die Obergrenze der 280 Zeichen per Tweet, die dazu dient der ursprünglichen Idee eines Kurznachrichtendiensts nachzukommen.

Retweets: Retweets sind neben Likes die einzige Funktion, die mit Zahlen belegt, wie oft ein Post geteilt wurde. Das heißt, wenn ein User einen anderen Beitrag „retweeted“,  erscheint dieser auf seinem eigenen Profil und in seinem eigenen Posting-Feed. Dieser Retweet lässt sich mit einem Kommentar ergänzen, der in der Folge auf dem Feed erscheint, allerdings nicht als Antwort unter dem Ursprungstweet gilt.

Diese Funktionen zeigen, worum es im Kern auf der Plattform Twitter geht: Die schnelle und einfache Interaktion zwischen Usern. Hierbei unterscheidet sich Twitter merklich von Instagram, da dort die visuelle Präsentation im Vordergrund steht  aufgrund derer Likes, Kommentare oder gegebenenfalls direkte Nachrichten erhalten werden.

Mit der Fleets-Funktion wollte Twitter den Usern eine Möglichkeit geben, auf Interaktion zu verzichten und Posts hochzuladen, auf die lediglich per Direktnachricht geantwortet werden konnte. Ziel war es, zurückhaltende Benutzer zum Posten zu animieren, da der Post nur 24 Stunden sichtbar war und  Reaktionen  nur den Hochladenden erreichten.
Was Twitter dazu schreibt, lesen Sie hier.

Wie Twitter nun mitteilt, hat sich die erhoffte Änderung in Bezug auf das User-Verhalten, nicht in den Zahlen der Testphase widergespiegelt. Daher wurde die Funktion nach einem halben Jahr wieder eingestellt.

Warum wurde der Versuch gestartet?

Klar ist, dass Twitter den Versuch, eine Story-Funktion zu etablieren, nicht nur aus nutzerfreundlichen Gründen, sondern auch mit monetären Motiven gestartet hat: Während Instagram mit Einführung der Story-Funktion einen für Werbung besonders attraktiven Bereich geschaffen hat, besteht  auf Twitter nur die Möglichkeit,  gesponserte Beiträge im Feed beziehungsweise der Timeline einzubauen..
Zahlen dazu lassen sich hier nachlesen. 

Woran ist die Funktion gescheitert?

Zunächst lässt sich feststellen, dass aktuell keine Plattform die ein eigenes Story-Feature integriert, auf positive Resonanz stößt. So gingen die meisten Reaktionen auf die Ankündigung von Twitter in die Richtung, dass es nicht noch einer weiteren Plattform dieser Art bedarf.

Das Scheitern Twitters zeigt zum einen, dass der Bedarf an Story-Plattformen durch das Angebot von Instagram gedeckt ist. Zum anderen macht es deutlich, dass eine Story-Funktion nicht den User-Gewohnheiten der Twitter-Community entspricht.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie Twitter in Zukunft versuchen wird, die stagnierenden Userzahlen zu erhöhen und Konkurrenten wie Instagram, Facebook oder TikTok kommerziell die Stirn zu bieten.

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